Teufelsberg
2005 Manfred Felsch – Krefelderstraße 17 – 10555 Berlin
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Verborgene Orte

FotoDer doppelkuppige Teufelsberg, unweit vom Wannsee, beherbergt zwei verborgene Orte. Einer davon ist weithin sichtbar. Schon von Ferne zeichnet sich eine weiße Kuppel am Himmel ab und ist markantes Zeichen im südlichen Berliner Stadtforst. – Und dieses Ding soll ein verborgener Ort sein? Beim Näherkommen wird man eines besseren belehrt. Zuerst gilt es einen über hundert Meter hohen Berg zu besteigen, der nach allen Seiten hin steil abfällt. Oben angelangt, steht man schnell vor einer beeindruckenden Wehranlage: Ein doppelter Stacheldrahtzaun, stellenweise sogar durch einen dritten zusätzlich abgesichert, umgibt die Anlage wie eine dicke Schlange; Platz genug für patrouillierende Wachhunde. Die Angestellten der Anlage, bis zu 250 Menschen arbeiteten hier im Schichtdienst, haben sich an einem der best geschütztesten Orte aufgehalten. Und, vermutlich wussten Sie über das Außen besser Bescheid, als wir, die Außen leben.

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Verborgene Orte

Foto Bei dem Objekt hinter dem Stacheldrahtzaun handelt es sich um eine ehemalige Abhör- anlage, die die Amerikaner gemeinsam mit dem britischen Geheimdienst unterhielten. Von 1960 bis 1992 war die Radaranlage, das »Große Ohr« auf dem Teufelsberg, feste Bastion im kalten Krieg. Der gesamte Funk- und Telefonverkehr bis nach Moskau konnte von hier abgehört werden.

Als die Amerikaner abzogen, wurde die Wehranlage durchsichtiger. Für kurze Zeit war es eine Art Volkssport, die Station zu besuchen. Der Berliner Senat hatte kein Geld, die Anlage bewachen zu lassen. Das hat sich mittlerweile geändert. Als wir im Januar 2005 mit der Kamera vorbeischauten, hatten wir das Gefühl, die letzten ihrer Art zu sein. Ein Hineinkommen war so gut wie nicht möglich. Mit ein bisschen Glück klappte es dann aber doch. Ein Glück, dass von kurzer Dauer war, denn bald wurden wir von einem Wächter erwischt und wieder hinauskomplementiert.

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Verborgene Orte

Foto Die Zeit aber reichte, um nachhaltige Eindrücke von dieser Stätte zu bekommen, die mittlerweile eine riesige Trümmerlandschaft ist und mit ihren, stellenweise zerfetzten Kugeln, wie ein heroische Gestalt wirkt, die in einer Mondlandschaft dem Untergang trotzt. –

Ach ja, der zweite verborgene Ort am Teufelsberg ist unter den Trümmern begraben, die den Teufelsberg nach dem Krieg zum Berg haben werden lassen. Dabei handelt es sich um die Wehrtechnische Fakultät, mit deren Bau 1937 begonnen wurde. Sie ist nie ganz fertiggestellt worden, im Krieg beschädigt und schließlich unter den Trümmern ehemaliger Berlin Häuser begraben worden.

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